Annahmeverzugslohn

Rechtsanwalt Yazdan Yilmaz Aktualisiert am 09.10.2026 Lesezeit 2 Min.

Kurz gesagt

Annahmeverzugslohn ist der Lohn, den der Arbeitgeber nach § 615 BGB zahlen muss, obwohl Sie nicht gearbeitet haben – weil er Ihre angebotene Arbeitsleistung nicht angenommen hat. Typischer Fall: Eine Kündigung erweist sich vor Gericht als unwirksam, und der Arbeitgeber muss das Gehalt für die gesamte Zwischenzeit nachzahlen.

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Definition und Rechtsgrundlage

Nach § 615 BGB behält der Arbeitnehmer seinen Vergütungsanspruch, wenn der Arbeitgeber mit der Annahme der Arbeitsleistung in Verzug kommt. Sie müssen die …

Nach § 615 BGB behält der Arbeitnehmer seinen Vergütungsanspruch, wenn der Arbeitgeber mit der Annahme der Arbeitsleistung in Verzug kommt. Sie müssen die ausgefallene Arbeit nicht nachholen. Voraussetzung ist, dass Sie arbeitsfähig und arbeitswillig sind. Hat der Arbeitgeber gekündigt, gerät er nach Ablauf der Kündigungsfrist regelmäßig ohne weiteres Angebot in Verzug, wenn die Kündigung unwirksam ist. Das Gleiche gilt, wenn er Sie ohne Rechtsgrund nach Hause schickt – etwa durch eine einseitige Freistellung.

Angerechnet wird nach § 11 KSchG:

  • was Sie in der Zwischenzeit anderweitig verdient haben,
  • was Sie zu verdienen böswillig unterlassen haben,
  • öffentlich-rechtliche Leistungen wie Arbeitslosengeld; insoweit geht der Anspruch nach § 115 SGB X auf den Leistungsträger über.

Bedeutung für Arbeitnehmer

Der Annahmeverzugslohn ist der Grund, warum eine Kündigungsschutzklage für Arbeitgeber finanziell riskant ist: Je länger der Prozess dauert, desto höher kann …

Der Annahmeverzugslohn ist der Grund, warum eine Kündigungsschutzklage für Arbeitgeber finanziell riskant ist: Je länger der Prozess dauert, desto höher kann die Nachzahlung ausfallen. Das stärkt häufig Ihre Verhandlungsposition. Gleichzeitig sollten Sie aktiv bleiben, um den Vorwurf böswillig unterlassenen Erwerbs zu vermeiden. Achten Sie außerdem auf Ausschlussfristen: Ob die Kündigungsschutzklage allein ausreicht, um sie für den Annahmeverzugslohn zu wahren, hängt von der konkreten Klausel ab. Allgemeine Informationen zu ausbleibenden Zahlungen finden Sie unter Lohn nicht gezahlt.

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Häufige Fragen

Wann habe ich Anspruch auf Annahmeverzugslohn?

Ein Anspruch besteht, wenn der Arbeitgeber Ihre Arbeitsleistung nicht annimmt, obwohl Sie leistungsfähig und leistungsbereit sind. Der wichtigste Fall ist eine unwirksame Kündigung: Stellt das Arbeitsgericht fest, dass das Arbeitsverhältnis fortbesteht, schuldet der Arbeitgeber grundsätzlich den Lohn für die Zeit nach Ablauf der Kündigungsfrist. Nach einer Kündigung müssen Sie Ihre Arbeit in der Regel nicht ausdrücklich erneut anbieten.

Wird Arbeitslosengeld auf den Annahmeverzugslohn angerechnet?

Ja. Öffentlich-rechtliche Leistungen wie Arbeitslosengeld werden nach § 11 KSchG angerechnet. Gleichzeitig geht Ihr Lohnanspruch in Höhe der gezahlten Leistungen nach § 115 SGB X auf die Bundesagentur für Arbeit über. Sie erhalten vom Arbeitgeber also nur die Differenz, während die Agentur sich das Arbeitslosengeld beim Arbeitgeber zurückholt. Auch Verdienst aus einem neuen Job wird angerechnet.

Muss ich mich nach der Kündigung um einen neuen Job bemühen?

Sie müssen sich anrechnen lassen, was Sie zu verdienen böswillig unterlassen haben. Wer zumutbare Stellenangebote ohne nachvollziehbaren Grund ausschlägt, riskiert deshalb Kürzungen. Nach der Rechtsprechung kann der Arbeitgeber Auskunft über Vermittlungsvorschläge der Agentur für Arbeit verlangen. Melden Sie sich daher arbeitssuchend und dokumentieren Sie Ihre Bewerbungen und Gründe für Absagen.

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Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zum Arbeitsrecht und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine verbindliche Einschätzung Ihres Falls wenden Sie sich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt – z. B. über die kostenfreie Ersteinschätzung von Gekündigt24.

Stand: 09.10.2026